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    Institute for Human Genetics

    Mentale Retardierung

    Institutsleitung

    Prof. Dr. med. Thomas Haaf

    Facharzt für Humangenetik

    Paulina L.  Bahena C.
    Assistenzärztin für Humangenetik

    Dr. rer. nat. Barbara Vona

    Michaela Hofrichter, M.Sc

    Mentale Retardierung (MR) wird definiert als eingeschränkte kognitive, sprachliche und soziale Fähigkeiten, die die intellektuellen und adaptiven Funktionen  des Lebens des betroffenen Menschen beeinflussen. Personen mit einem IQ<70 werden als mental retardiert eingestuft. Milde Formen (IQ 70-50) treten häufiger in der Bevölkerung auf als mittelschwere und schwere Formen (IQ<50).

    Zu den Symptomen im Säuglingsalter zählen muskuläre Hypotonie, schlechter Blickkontakt und verminderte motorische Aktivität. In der frühen Kindheit manifestiert sich MR durch abnormes Spielverhalten und verzögertes Erreichen der Entwicklungsstufen (1).

    MR kann isoliert vorkommen (nicht-syndromale MR) oder in Kombination mit angeborenen Fehlbildungen (syndromale MR) oder neurologischen Fehlfunktionen wie Epilepsie, sensorischer Beeinträchtigung und Autismus-Spektrums-Störungen (5). Bei  ca. 50% der Patienten mit schwerer MR liegt eine genetische Ursache vor. Bisher wurden mehr als 1416 MR-verursachende  Gene beschrieben, von denen 802 mit autosomal-rezessiven Formen, 525 mit autosomal-dominanten Formen und 132 mit X-chromosomalen Formen assoziiert sind (SysID-Datenbank, ab September 2016, http://sysid.cmbi.umcn.nl, (3).

    Aufgrund der enormen genetischen Heterogenität gestalten sich diagnostische Untersuchungen mit klassischen Sequenzierungsmethoden (Einzelgen-Sequenzierung nach Sanger) schwierig und die meisten Fälle bleiben ungeklärt (4). Next Generation Sequencing (NGS) ermöglicht die Identifizierung von krankheitsverursachenden Varianten in allen bekannten MR-Genen in einer einzigen Analyse, sowie die Identifizierung neuer, bisher nicht mit MR assoziierter Gene. Da es schwierig ist, die mit Hilfe von NGS detektierten, unklassifizierten Varianten einzustufen, können weitere Familienangehörige (meist Eltern oder Geschwister) hilfreich bei der Analyse sein. Durch NGS werden schnell kostengünstige Ergebnisse erzielt. Die aktuelle Aufklärungsrate liegt bei 30-50% aller Fälle (3).

    Für die Diagnostik haben wir spezielle Gen-Panel zur Analyse von genetisch bedingter mentaler Retardierung entwickelt, die  wegen einer Leistung der gesetzlichen Krankenkassen auf 25 kb innerhalb der Basisdiagnostik begrenzt sind.

    Sollte  keine pathogene Variante detektiert werden, besteht unter Umständen die Möglichkeit einer erweiterten WES-Trio-Analyse-Untersuchung zur Abklärung des Phänotyps.

    Bitte kontaktieren Sie uns, wir beraten Sie gerne unter Tel. (0931) 31 83 397 und (0931) 31 84 244.

    1)Tzschach et al. Genetik der mentale Retardierung. Dtsch Arztebl 2007; 104(20):A 1400–5

    2)Khan M. et al. The Molecular Genetics of A utosomal Recessive Nonsyndromic Intellectual D isability: a M utational Continuum and Future Recommendations. Annals of Human Genetics (2016) 80,342–368

    3)Reuter et al. Diagnostic Yield and Novel Candidate Genes by Exome Sequencing in 152 Consanguineous Families With Neurodevelopmental Disorders. JAMA Psychiatry. 2017;74(3):293-299

    4)Martinez et al. High diagnostic yield of syndromic intellectual High diagnostic yield of syndromic intellectual disability by targeted next-generation sequencing.  J Med Genet 2017;54:87–92

    Anforderung von NGS-Panels

    MGPS (Multi-Gen-Panel-Sequenzierungen) sind seit 1. Juli 2016 auch als Leistung der gesetzlichen Krankenkassen in begrenztem Umfang möglich (bis 25 kb/Basisdiagnostik).

    Ü-Schein Muster 10 mit folgenden Angaben:

    Diagnose: Mentale Retardierung

    Auftrag: Panel-Diagnostik bei milder-moderater mentaler Retardierung
    TECR, MED23, FMN2, TNIK, TUSC3, CACNG2, SETBP1, ZMYND11, MY1L.

    Auftrag: Panel-Diagnostik bei autosomal-rezessiver mentaler Retardierung
    TUSC3, ST3GAL3, TECR, MED23, TTI2, TAF2, KIAA1033, METTL23, PUS3, ZCH14, MBOAT7, ELP2, IMPA1

    Auftrag: Panel-Diagnostik bei autosomal-dominanter mentaler Retardierung
    MBD5,  GRIN2B, DYRK1A, GRIN1, KIF1A, CACNG2, EPB41L1, DYNC1H1

    Auftrag: Panel-Diagnostik bei X-chromosomaler mentaler Retardierung
    UPF3B, RPS6KA3, BCAP31, ZNF81, ATRX, ARHGF6, PRPS1, PHF8, PBP1, OPHN1, PAK3, ZNF41

    Material

    5-10 ml EDTA-Blut


    Individuelle Panel-Konfigurationen sind nach Rücksprache möglich. Wir beraten Sie dazu gerne unter Tel. +49-931-31-(84 244) oder per E-Mail:

    michaela.hofrichter@uni-wuerzburg.de

    barbara.vona@uni-wuerzburg.de

    paulina.bahena_carbajal@uni-wuerzburg.de

    Contact

    Institut für Humangenetik
    Am Hubland
    97074 Würzburg

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